Historische Gärten als Hotspots der Biodiversität.

Historische Gärten sind wertvolle ökologische Lebensräume. Ein Forschungsprojekt der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg und des Staatlichen Museums für Naturkunde Karlsruhe untersuchte erstmals systematisch die Pilzflora ausgewählter Schlossgärten. Dies führte zu überraschenden Funden und neuen Erkenntnissen zur Biodiversität.

Die ökologische Bedeutung der Schlossgärten.

Mit dem wissenschaftlichen Projekt „Monitoring und wissenschaftliche Auswertung der Pilzflora in den Schlossgärten Schwetzingen, Weikersheim und Favorite Rastatt“ richteten die Staatlichen Schlösser und Gärten zusammen mit dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe den Blick auf einen oft übersehenen Aspekt historischer Gartenanlagen: nämlich ihre ökologische Bedeutung. Im Mittelpunkt stand die Frage, inwieweit bestimmte Baumarten in den drei untersuchten Schlossgärten zur Biodiversität beitragen. Historische Gärten sind mit ihrer jahrhundertelangen Pflege wertvolle Rückzugsorte – nicht nur für die Menschen, sondern auch für eine reiche Biodiversität. Die teilweise jahrhundertealten Baumbestände bieten Lebensraum für zahlreiche Pilzarten und andere Organismen. Bei der ersten Untersuchung dieser Art in Baden-Württemberg wurden Pilzvorkommen systematisch erfasst und dokumentiert. 

Ein gekiester Weg, rechts Wiese, links eine Baum- und Buschreihe und eine Bank.

Der Schlossgarten Schwetzingen als Ruheoase im Grünen

Im Vordergrund eine steinerne Brücke und ein wild bewachsender Hang. Dahinter der vielfältig angelegte Schlossgarten Weikersheim.

Der Schlossgarten Weikersheim – Idylle aus der Barockzeit 

Seltene und unbekannte Pilzarten.

Neben 20 seltenen Arten, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, wurden auch vier bisher vollkommen unbekannte Arten entdeckt, erforscht und benannt: Die vier Neuzugänge heißen Rastatter Risspilz (Inocybe favoris), Badischer Risspilz (Inocybe badensis), Schwetzinger Risspilz (Pseudosperma schwetzingense) und Schweyckerts Risspilz (Inocybe schweyckertii). Die überraschenden Ergebnisse wurden zunächst in einer Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe präsentiert und auch in Form einer Broschüre der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Die Erkenntnisse aus den Untersuchungen helfen dabei, Pflegekonzepte weiterzuentwickeln und ökologische Zusammenhänge stärker zu berücksichtigen. Die Broschüre „Schloss.Baum.Pilz“ zeigt dabei Wege, wie die Pilzvielfalt in Zukunft gewahrt und gefördert werden kann. Die Broschüre liegt an den jeweiligen Schlosskassen und am Naturkundemuseum Karlsruhe aus und ist zudem barrierefrei auf der Website der Staatlichen Schlösser und Gärten verfügbar. Mehr erfahren!

  • Großaufnahme von zwei Pilzen auf Rasen. Einer liegt und zeigt den Stil und die Lamellen.


    Neuentdeckung: Der Rastatter Risspilz (Inocybe favoris)

  • Großaufnahme von sechs Pilzen in unterschiedlichen Ansichten in natürlicher Umgebung: Schirm von oben, Stiel von der Seite, Lamellen von unten.


    Der Badische Risspilz (Inocybe badensis) ist eine der vier bisher unbekannten Pilzarten

  • Mehrere Pilze stehen und liegen auf krümeliger Erde mit wenig Wildkrautbewuchs.


    Die neu entdeckte Pilzart in Schwetzingen wurde Schwetzinger Risspilz (Pseudosperma schwetzingense) benannt

  • Fünf auffällig helle Pilze stehen und liegen im Gras.


    Der Schweyckerts Risspilz (Inocybe schweyckertii) gehört ebefalls zu den vier neu entdeckten Pilzarten

    PILZ­VIEL­FALT