Sanierung der Residenz der Deutschen Botschaft in London.
Am Belgrave Square im Herzen Londons betreute der Bundesbau Baden-Württemberg (BBBW) seit 2014 die Sanierung der Residenz der Deutschen Botschaft, eines klassizistischen Baudenkmals aus dem frühen 19. Jahrhundert. Das Projekt verbindet die besonderen Anforderungen einer Auslandsvertretung mit komplexen bautechnischen Herausforderungen.
Bundesbau Baden-Württemberg, Jan Peter Reeves
Der Projektleiter hat während der Sanierung immer wieder Skizzen angefertigt und den jeweiligen Status dokumentiert
Denkmalschutz im britischen Kontext.
Die Residenz am Belgrave Square steht unter höchstem britischem Denkmalschutz. Für den Bundesbau Baden-Württemberg bedeutete dies erschwerte Bedingungen: die Baumaßnahmen nach den Gepflogenheiten und Regularien des Gastlandes zu planen und zu genehmigen, ohne dabei die deutschen Qualitäts- und Sicherheitserwartungen aus dem Blick zu verlieren. Gefragt war dabei ein sorgfältiger Schutzzielabgleich. Grundsätzlich wurde auf das Regelwerk des Gastlandes zurückgegriffen. Wo besondere Belange eines Botschaftsgebäudes zusätzliche Maßnahmen erforderten, wurden deutsche Sonderlösungen ergänzt. Dieses Vorgehen war auch pragmatisch notwendig: Die Genehmigungsbehörde ist britisch, die Genehmigungsfähigkeit daher die zentrale Voraussetzung.
Vertrauen in die örtliche Planung.
Ein zentrales Prinzip bei der Projektabwicklung war das Vertrauen in die Kompetenz der örtlich beauftragten Planer. Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit war es, die lokale Expertise anzuerkennen und gleichzeitig die eigenen Standards einzubringen – ein iterativer Prozess, der Offenheit und gegenseitiges Verständnis erforderte. Da es sich um ein Projekt mit langer Laufzeit handelte, wechselten personelle Zuständigkeiten auf Nutzungsseite regelmäßig. Die Kontinuität und die nachvollziehbare Begründung von Entscheidungen wurden daher zu einem wesentlichen Qualitätsmerkmal der Projektsteuerung.
Lyndon Douglas
Grand Stairs der Residenz
Lyndon Douglas
Eingangshalle der Residenz
Kommunikation als Schlüsselfaktor.
An dem Projekt war eine Vielzahl von Akteuren beteiligt: britische Planer und Genehmigungsbehörden, das Auswärtige Amt als Maßnahmenträger, Nutzervertreter der Botschaft sowie das Bundesministerium der Finanzen als haushaltsgenehmigende Stelle. Der Bundesbau Baden-Württemberg vermittelte hier zwischen unterschiedlichen Interessen, Erwartungen und Informationsbedarfen. Grundlage war ein klar definierter Kern an projektrelevanten Informationen, auf den alle Beteiligten Zugriff hatten. Nicht jeder Stakeholder benötigte denselben Detailgrad. Entscheidend war, dass alle über die wesentlichen Zusammenhänge und getroffenen Entscheidungen informiert waren. Dies schaffte Vertrauen, stärkte den Projektkonsens und verhinderte Missverständnisse.
Das war der Ablauf.
Die erste Bauphase konnte als „Kleine Baumaßnahme“ in kürzester Zeit geplant, genehmigt und abgeschlossen werden, nachdem es erhebliche Mängel im Brandschutz und der Verkehrssicherheit gegeben hatte. Nach einer Dachsanierung (2016–2018) aufgrund großflächiger Undichtigkeiten und dem pandemiebedingt verzögerten Start des letzten Sanierungsabschnitts im Frühjahr 2023 wurden die fertiggestellten Räume im Oktober 2024 an den Maßnahmenträger und die Auslandsvertretung London übergeben. Erst mit Abschluss der letzten Sanierungsphase konnten alle geltenden Anforderungen an Brandschutz, Gebäudeabsicherung und Verkehrssicherheit gewährleistet werden.
Gesamtbaukosten, brutto:
- Phase 1
Sofortmaßnahme (2014–2016): 4,9 Mio. € - Phase 2
Dachsanierung (2016–2018): 4,6 Mio. € - Phase 3
Große Baumaßnahme (2022–2024): 23,5 Mio. €
Lyndon Douglas
Musikzimmer im öffentlichen Teil der Residenz
